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Ein Reisebericht

Tag 18 - Sonntag


Sonntagmorgen8 Uhr: das "übliche" Wecken mit Trommeln und Trompete, kurz danach klingelt der Wecker. Ich krabble aus dem Zelt und um mich rum ist schon reges Treiben am Gange, denn gleich findet die "Jahreshauptversammlung" statt. Das Wetter: es hat sich massiv zugezogen, es riecht ganz furchtbar nach Regen. Schon beim Anblick des Himmels würde ich am liebsten hierbleiben, aber ich habe ja ab jetzt ein neues Ziel: Loch Ness. Diesmal allerdings ein Ziel ohne Termin.
Photoshooting
Um halb elf bin ich mit dem Packen fertig und muss meinen Roller in die Linie aller Roller stellen, denn jetzt folgt das "photoshooting" und die Wahl des schönsten Fahrzeugs. Das habe ich natürlich nicht, aber das Motiv einer bepackten reisefertigen Bella ist unwiderstehlich.Chairman's Award Ein Clubmitglied verrät mir: wenn es einen Preis für das schönste Detail geben würde, dann wäre meine "flask" - die stets griffbereite Thermosflasche - der erste Kandidat. Da es den Preis nicht gibt, muss ich mich "begnügen" mit dem "Chairmans Award 2007", einem Whiskeyglas mit eben dem Schriftzug. Und eine DVD vom letzten Clubtreffen gibts auch noch.

Karte ohne DurchgangsstraßeDurchgangsstraße sichtbarUm 12 bin ich dann abfahrbereit. Jemand fragt mich, welchen Weg ich denn jetzt fahren werde und ich sage, dass wisse ich noch nicht so genau, denn meine Karte zeige nur "gelb" für alle Straßen außer der A1. Woraufhin er sofort zu seinem Autoatlas greift und genau die Seite, die ich für meine Weiterfahrt brauche herausreißt Diese hat den Vorteil, dass die Durchgangsstraßen (B-Roads) orange von den C-Roads abgesetzt sind. Das hilft vor Stanford Hallungemein. Und ganz zum Schluss finde ich noch jemand, der eins der beiden "Pflichtfotos" macht: mein Roller mit mir vor dem Tor von Stanford Hall. (Wieder zu Haus werde ich feststellen, dass das das einzige Foto von der ganzen Reise ist, welches mein Computer wegen eines Fehlers nicht anzeigen will ...). Ich fahre los, drehe noch eine Runde für alle, die fotografieren und filmen, und bin weg. Danke!

Pausenbaum
MelbourneDie orange Strassen- kennzeichnung hilft sehr und ich komme relativ schnell vorwärts bis Melton Mowbray, dort ist wohl die Farbe ausgegangen. Schade, denn ich muss jetzt östlich an Nottingham vorbei (Angst vor dem Sheriff!) und die Sonne scheint nicht (Orientierung an der Himmelsrichtung), Nieselregen hat eingesetzt. So geht es etwas langsamer weiter bis nach Newark on Trent. Dort mache ich Pause und will meinen Roller - wie sonst auch - in der Fußgängerzone abstellen. Doch der Sheriff von Nottingham hat seine Helfer auch hier, und einer von denen bittet mich freundlich, den Motorradparkplatz um die Ecke zu benutzen. In diesem Moment fängt es an zu schütten und so schiebe ich den Roller 10 Meter weiter unter die Arkaden eines Geldinstituts . Der Bobby ist zufrieden und lächelt mich an: "This is private ground and there I have nothing to say".

TrentbrückeNewark liegt - wie der Name schon sagt - am Fluss Trent und der zeigt mir für die folgende Zeit den Weg, ich bleibe auf seiner östlichen Seite. Die Gegend erinnert mich an zu Hause: nasses topfebenes Marschland, dünn besiedelt und deshalb wie ausgestorben. Im Dorf East Ferry kann ich mich nicht zurückhalten und rufe "Hallo, ist da jemand?" Es ist niemand da oder zumindest hat sich keiner gemeldet, es ist Sonntag und wahrscheinlich sind alle zu Besuch bei den Verwandten in der Stadt.

Kingston upeon HullDer Trent bildet mit dem Fluss Ouse den Humber, an dem Kingston upon Hull liegt. Dort kommt man nur per Autobahntunnel weiter nach Norden und deshalb überquere ich den Trent kurz vorher nach Westen, danach komme ich per normaler Straße bei Goole über die Ouse während es schon dunkler wird. Letzteres liegt nicht so sehr an der Uhrzeit, sondern am Wetter und so fängt es in Höhe York, 10 Meilen vor dem angepeilten Zeltplatz, an zu schütten. Doch nur eine Meile weiter sehe ich ein Hinweisschild auf den Nasse Straßenächsten Platz und folge dem sofort. Drei Meilen weiter bin ich schon dort, verkrümle mich unter die nächste dicke Kiefer und baue auf. Glück gehabt, nicht ganz nass geworden, nur halbnass .. Es war eine Scheißidee, überhaupt loszufahren! Es ist ein Wetter, wie Anfang April und eigentlich sollten wir Hochsommer haben. Immerhin ein beruhigendes Gefühl, dass der Roller sich ums Wetter nicht schert.


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