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Ein Reisebericht

Tag 21 - Mittwoch


8 Uhr 30: Das Handy weckt mich, die französische Jugend ist - wenig überraschend - leise, weil schlafend und die sanitären Anlagen deshalb leer. Ich setze mich zum Frühstücken unter das Glasdach. Das Wetter: es ist trocken, die Wolken aber dunkel und der Wind hat auf Ost gedreht, dadurch ist es kalt geworden. Kurze Zeit später gesellt sich ein junges französisches Paar zu mir, sie hat den einen Unterschenkel in Gips. Beide wollten die Gegend zwei Wochen mit dem Fahrrad erkunden, es gab am zweiten Tag schon einen Unfall, Ende der Reise.

Für Edinburgh habe ich einen Tag Zeit eingeplant, das Wetter stört mich heute nicht besonders. Als erstes versuche ich, Ersatz für meine durchgebrannte Fahrlichtbirne zu bekommen. Doch zweimal fragen und 5 Meilen Fahrt helfen nicht weiter, aber das ist nicht weiter schlimm, es bleibt im Sommer auch bei schlechtem Wetter lange hell und die Birne wäre wahrscheinlich eh von Lukas gewesen, "Lukas, the king of darkness" ...
Prinzessstreet
Ich fahre in die Innenstadt und stelle den Roller dort ab, das Stadtzentrum ist leicht zu finden, weil es auf einem Hügel steht. Dort mal kurz in das touristische Pflichtprogramm geschaut und dann wieder weg. Denn mir ist eingefallen, dass ich ja noch eine unbenutzte Fahrkarte für die Fähre Zeebrügge - Rosyth habe. Warum soll die nicht noch gelten und außerdem: nichts und niemand bringt mich dazu, noch einmal durch England zu fahren, noch dazu in Katastrophenzeiten. Also ab zur Forth-Road-Bridge und zum Fährhafen in Rosyth.
Modernes


Castle Hill






Castle


Heute fährt keine Fähre und die junge Angestellte im Ticketzetrum von Superfast-Ferries wartet schon auf mich. Sie wusste das bis eben nur noch nicht. Ich erzähle ihr, was ich möchte und dass ich die Fähre hierher nicht benutzen konnte, sie bedauert, mir nicht helfen zu können, stellt mir aber eine Telefonverbindung zu meiner Ticketagentur in Lübeck her. Der Dame dort erzähle ich das gleiche und höre nach ein wenig Palaver, dass ich ein neues Ticket bekommen könne, wenn ich 40 Euro zuzahle. Ich verspreche, alles zu bezahlen und sie verspricht, alles fertig zu machen, in einer halben Stunde sei alles im Computer hier einsehbar. Alles klar, ich erkundige mich nach dem nächsten Loch in der Wand ("Hole in the wall" heißen hier die Geldautomaten aus offensichtlichen Gründen) und fahre dorthin, um mir das nötige Kleingeld zu holen. Die Euroscheckkarte bringt hier außer am Geldautomaten nur bedauerndes Kopfschütteln ein.

Die Forth Rail BridgeEine halbe Stunde später findet die Dame am Schalter alles in ihrem Rechner, nur keine Zuzahlung und deshalb druckt sie mir das Ticket für den nächsten Dienstag einfach so aus. Und schon habe ich wieder einen Termin, an den ich mich halten muss. Diesmal darf garantiert nichts mehr passieren, was mich von der Fähre abhält!

So, das war das, jetzt habe ich Zeit und ich kurve zurück zum Zelt. Anschließend mache ich einen langen Spaziergang am Ufer des Forth entlang in Richtung Osten. Da gibt es auch die Dinge zu sehen, die Touristen üblicherweise nicht wahrnehmen. Zum Beispiel das große Wohnviertel aus dem Anfang der 60er Jahre: Plattenbauten bzw. Betonhochhäuser, die jetzt wieder abgerissen werden. Und das neue Wohnen-am-Wasser-Viertel mit Erlebnispark gleich nebenan. Und Dreck! Edinburgh ist dreckig ohne Ende. Die Innenstadt geht ja noch, aber wie die Briten mit ihrem Land umgehen, das lässt sich schwer beschreiben. Genauso schauderhaft wie die Autofahrerei. Vielleicht liegts ja an mir, ich komme immerhin aus einer dörflichen Ecke Deutschlands. Andererseits war ich auch schon in mehreren anderen Großstädten (Berlin, Lissabon, Athen) und habe mich dort auch abseits der touristischen Wege bewegt.

MüllBeim Versuch, vom Strand eine Abkürzung zum Stadtinneren zu finden, stoße ich auf Reste von Treppen mitten in den wildwachsenden Büschen. Eine längere Suche bringt zutage, dass es am Forth mal eine ordentliche weitläufige Strandpromenade gegeben haben muss. Heute vergessen, zerfallen und von Büschen und Bäumen überwuchert. Dafür lagert dort jede Sorte von Müll, den man dank der Pflanzenwelt ungesehen loswerden kann.

Abends regnet es endlich wieder ...


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