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Spielfilme im ZDF und die Quote

6. Februar 2014

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An: Zuschauerredaktion@zdf.de
Datum: 29:01:2014
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Hallo,

ich finde es schrecklich, wie das ZDF mit dem Ende von Spielfilmen umgeht! Das letzte Bild ist noch nicht raus und schon quatscht mich jemand an, der mir die nächste Sendung anpreist (zuletzt in “Psycho” Sontagnacht). Ich verlange nicht den gesamten Nachspann, aber wenigstens ein schwarzes Bild als “jetzt ist es vorbei”. Selbst das progressive Arte sendet nicht so. Mit freundlichem Gruß Hartmut Krummrei


Sehr geehrter Herr Krummrei,

vielen Dank für Ihre E-Mail an das ZDF.

Keiner von uns betrachtet die Kürzung eines Abspanns oder auch das Unterlegen mit einem Off-Text als Verschönerung eines Kunstwerks. Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass wir damit einen schwerwiegenden Eingriff vornehmen und nutzen das Instrument schon aus diesem Grund zurückhaltend.

Offenbar gehören Sie zu der kleinen Gruppe der begeisterten Cineasten, die auch im Kino bis zum Ende eines Abspanns bleiben. Wenn es mehr von Ihrer Sorte gäbe, könnten wir uns die Kürzung von Abspännen sicher ersparen. Die GFK-Daten beweisen aber eindeutig, dass die große Mehrheit der Zuschauer sich völlig anders verhält. Mit Beginn des Abspanns verlassen sie unseren Sender und zappen zur Konkurrenz. Wir verlieren buchstäblich Millionen von Zuschauern und verschlechtern damit die Startchancen des nachfolgenden Programms, ohne diesem eine Chance zu geben, den Zuschauer zum Bleiben zu überzeugen.

Dennoch waren wir selbstkritisch genug, unsere Verfahrensweise bei der Abspannkürzung und dem sogenannten Voice-over-Verfahren in Frage zu stellen. Trotz eindeutiger Befunde haben wir daher eine Untersuchung des Zuschauerverhaltens beim „ZDF-Montagskino“ in Auftrag gegeben. Leider zeigte sich, dass das massenhafte Wegschalten beim Abspann – selbst bei einem seit Jahren gut eingeführten und bei einem als cineastisch hochwertig eingestuften Programmplatz sogar noch zugenommen hat.

Das ZDF arbeitet nicht im luftleeren Raum und steht in harter Konkurrenz zu inzwischen Hunderten von Fernsehprogrammen. Die Politik hat auch hier die Marktwirtschaft eingeführt und nimmt die Einschaltquote als wichtige Messlatte. Wir können an diesen Gegebenheiten und am Verhalten der Zuschauer nicht vorbeiagieren.

Wir kommen daher – Jahre später als andere Sender – in diesem Falle nicht umhin, die Sehgewohnheiten zu akzeptieren und teilweise die minutenlangen Abspänne zu kürzen oder zu kappen. Sollte sich das Zuschauerverhalten in Ihrem und unserem Sinne ändern, werden wir ausgesprochen gerne und umgehend zu alten Gewohnheiten zurückkehren.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre ZDF-Zuschauerredaktion


--- Hartmut Krummrei

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